Zweiter BürgerEnergieStammtisch in Ruderting - Weitere Treffen jeden zweiten Dienstag im Monat
Regen Zuspruch für den 2. BürgerEnergieStammtisch: 39 Teilnehmer kamen nach Sittenberg, der Einzugsbereich von Ruhstorf bis Wegscheid und Osterhofen. Ein schöner Erfolg für die Initiatoren, Josef Pauli vom Campus Freyung der Technischen Hochschule Deggendorf, Johannes Schmidt für die Katholische Landvolk-Bewegung (KLB) und Katholische Erwachsenen-Bildung (KEB).
Unterstützt werden Josef Pauli und Johannes Schmidt bei der Organisation der Stammtische künftig auch von Karl Haberzettl aus Salzweg und Erich Käser aus Ruderting.
Im Fachvortrag zum Thema „Energiepotenziale und sinnvoller Energiemix in der Region“ zeigte Josef Pauli auf, dass in den ILE-Regionen „Passauer Oberland“ und „Ilzer Land“ und für den Landkreis Passau bereits unterschiedlichste und nutzbare Energiedaten erstellt wurden, die in den Gemeinden vorliegen. Am gesamten Energie-verbrauch habe der Verkehr einen Anteil von 42 Prozent, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft 27, die Privathaushalte 30, der öffentliche Bereich ein Prozent. Davon entfielen auf Wärmeenergie 46, auf den Verkehr 42 und auf Strom 12 Prozent. Das entspreche der bundestypischen Verteilung.
Im Landkreis Passau würden laut Josef Pauli jährlich etwa 887 000 Megawattstunden Strom verbraucht, davon in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft 63, in den Haushalten 33 und in der öffentlichen Verwaltung 4 Prozent. Hauptsparpotenziale böten sich demnach vor allem auch in Industrie und Privathaushalten an. So könne eine Familie allein durch Verzicht auf „Stand-by-Betrieb“ an die 12 Prozent des Stromverbrauchs einsparen. Die gesamten Einsparpotenziale - ohne Komfortverlust im Bereich Strom - lägen durch einfache Maßnahmen bei 19 Prozent.
Was die Eigenversorgung angeht, ist die Region beim Strom gut aufgestellt: 53 Prozent werden durch erneuerbare Energien gedeckt, der Bundesdurchschnitt lieg bei 20 Prozent. „Bewirkt wird das durch die Dichte der Photovoltaikanlagen, die zwei Drittel des Anteils der erneuerbaren Energien ausmachen, der Rest sind Biomasse und Wasserkraft“, so der Ingenieur. Die Windkraft - auf Bundesebene bedeutsam - spiele in der Region kaum eine Rolle.
Problematischer sieht Josef Pauli den Bereich Wärmeenergie. Hier würden von den etwa 3,5 Millionen Megawattstunden - sie entsprechen 351 Millionen Litern Heizöl - 55 Prozent auf Privathaushalte (Bundesdurchschnitt: 40 Prozent), 43 Prozent auf Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft und zwei Prozent auf die öffentliche Verwaltung entfallen. Gedeckt wird nach Aussage des Experten dieser Bedarf in den Privathaushalten mit 13 Prozent Erdgas, 60 Prozent Heizöl und 28 Prozent aus erneuerbaren Energien, hier überwiegend Holz. Einsparpotenziale sah Josef Pauli durch die Sanierung von Gebäuden und der Modernisierung der Heizanlagen. Seine Überzeugung: „Ohne erhebliche Einsparmaßnahmen wird die regionale Wärmeversorgung jedoch nicht gelingen.“
Ein besonders problematischer Bereich sei der Verkehr und die hier aufgewandte Energie. Dieses Thema soll bei einer anderen Sitzung behandelt werden.
In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass es bei Einsparmaßnahmen in erster Linie darum gehe, dass Gelder in der Region
bleiben. Daher machten regionale Energiegenossenschaften von Bürgern durchaus einen Sinn. Ebenso herrschte die Meinung vor, dass man für die Energiewende an der Windkraft nicht vorbeikomme - trotz kritischer Bewertung der H 10-Abstandsregelung für Windräder durch die Bayerische Regierung. Ein Für und Wider an Meinungen gab es bei der Frage, ob sich nachträgliche Wärmedämmung lohnt.
Johannes Schmidt informierte über die von KLB und KEB organisierte Info-Fahrt nach Streitdorf zu „Energie-Rebell“ Wolfgang Löser und seinem ersten energieautarken Bauernhof Österreichs. Zudem wird das Internationale Kompetenz-Zentrum der Landwirt-schaftlichen Fachschule Tulln besucht. Die Fahrt findet am 27. März statt, Anmeldungen sind möglich unter Tel. 08509/1417.
Zum nächsten EnergieStammtisch trifft man sich am 14. April, 19.30 Uhr, in Sittenberg im Gasthaus Billinger. Dann geht es um das Stromspeichern für den privaten und gewerblichen Eigenverbrauch. Drei Fachbetriebe stellen bereits vorliegende Konzepte und Praxisbeispiele vor. red
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